GESUNDHEIT! WIDER DEN INNEREN SCHWEINEHUND -Straubing-Bogen 







2017-08-07

Vor dem Abflug

Liebe TraumaHelfer,
nun steht uns der wohl bisher am weitesten entfernte globale Auftrag bevor. Am Mittwoch, 09. August 2017, startet unser Flieger von Frankfurt am Main aus nach Indien/Hyderabad. Wir werden dort in den folgenden drei Wochen an drei verschiedenen Standorten Fachkräfte schulen, die mit indischen traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Frauen arbeiten.
Mit an Bord sind:
Thomas Loew (Dozent), Beate Leinberger (Dozentin), Elias Borgs (Kameramann), Ulrike Paeper (Organisatorin) und Tobias Paeper (Dolmetscher und Organisator).
Die Einladung zur Schulung verschiedener Einrichtungsmitarbeiter erfolgte im Jahr 2016 über das indische “Child Guidance Centre” auf die engagierte Initiative von Ulrike Paeper hin.

Mehr zum  Child Guidance Centre erfahrt ihr in Tobias Paeper´s Blog:
Das Child Guidance Centre (CGC) ist eine anerkannte Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Indien. Gegründet wurde das CGC 1973 als Schule für Menschen mit Behinderungen von einer klinischen Psychologin. Im Jahre 1999 übernahm Dr. P. Frank Viswanath die Schule. Seit 2001 wird das CGC von dem Mosbacher Verein „Partnerschaft In Einer Welt e.V.“ unterstützt und begleitet. Das Child Guidance Centre ist Träger von zwei Schulen für Menschen mit Behinderungen, eines Berufsbildungswerks, eines Rehabilitationszentrums für Frauen, sowie mehrerer kleinerer Projekte. Eine Übersicht über alle Projekte finden sie unter Projekte des Child Guidance Centre.
Die Mitarbeiter des Child Guidance Centre arbeiten unter dem Motto: „Reaching the Unreached“ (Die Unerreichten erreichen).

Wer Tobias Paeper´s Blog besuchen möchte, kann sich noch weiter umfangreich über die Arbeit in Indien informieren: 

 https://tobiasinindien.wordpress.com/das-child-guidance-centre/ 




Tag 1

Flughafen Frankfurt:

Wir sind nach 0 Stunden Schlaf heute Morgen von Regensburg aus gestartet. Derzeit sitzen wir mit unseren deutschen Gastgebern am Frankfurter Flughafen und warten auf das Boarding um 15 Uhr. Die erste Huerde = das richtige Handling eines e-Visums haben wir gemeistert… 🙃. Die zweite Huerde =enorm viel Gepäck, wurde humorvoll beschmunzelt, denn wir haben neben unseren obligatorischen Sandkisten und Sandspielmaterial auch noch einen schicken Plastikchristbaum und kiloweise Gummibärchen dabei. Ulrike versorgt uns mit frisch geerntetem Gemüse aus ihrem Garten und Geschichten rund um Happy Home in Hyderabad. Wir sind seeeeehr gespannt, was uns erwarten wird. Bleibt dran!



 Check-In


Von links: Ulrike, Tobi, Beate, Elias und viiiiiiieeeel Gepäck. UND: Der Weihnachtsbaum!





 

                                                                                2017-08-10


NAMASTE!

Wir sind heute Morgen gegen 8 Uhr gut in Indien/Hyderabad angekommen. Nach einem wieder etwas längeren Aufenthalt am Visa-Schalter wurden wir von unseren indischen Gastgebern Sunny und Rajani sehr herzlich empfangen und in ihre Einrichtung CGC gefahren.
Die erste indische Regel, die es zu lernen galt, ist Hupen. Man hupt hier immerzu und aus allen möglichen Gründen. Hupen heißt:
“Achtung, aus dem Weg!”
“Hallo, da bin ich!”
“Ich bin hinter dir, vor dir, neben dir!”
“Ich fahre auch!”
“Wenn du nicht hupst, hupe ich!”
Auf der Rückseite von Trucks wird sogar zum Hupen freundlich aufgefordert. Der Verkehr ist unüberschaubar chaotisch, wird von den Indern aber meisterhaft bewältigt. Fußgänger sind generelle “Sensation Seeker”, Autofahrer potentielle “Suicide-Helper”. Wer vorher kein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom hatte, hat es ohne Zweifel nach drei Stunden indischem Stadtverkehr.

Unsere Ankunft im CGC war sehr berührend. Die Kinder haben aus bunten Kreiden und Blumen ein Willkommensbild am Boden dargestellt und Willkommensschulder hochgehalten. Wir bekamen eine bezaubernde Darbietung aus Gesang und Tanz und wurden im Anschluss mit Blumenkränzen und Blütenregen geschmückt. Namaste!
Ein Gruß, der in deutschen esoterischen Kreisen gerne benutzt wird, hier in Indien noch Bezüge zum Kastensystem darstellt. 
“Namaste” bedeutet so viel wie “Ich weiß weniger als du, ich achte deine Weisheit”. Wir haben gerührt und überwältigt “Namaste” zurück gegrüßt.
Hier im CGC besuchen ca. 120 geistig und körperlich behinderte Kinder eine Schule. Sie werden in den Grundfertigkeiten des Lebens trainiert, um später bessere Chancen zu haben. Die behinderten Kinder wohnen zu Hause bei ihren Eltern, sie werden täglich von CGC-Bussen hin- und hergefahren. Daneben wohnen im CGC-Gebäude ca. 60 Kinder und Jugendliche, die vormals auf Hyderabads Straßen überlebt haben. Sie haben hier ein zu Hause (Happy Home) und besuchen nahe gelegene staatliche Schulen.
Happy Home betreibt auch Ausbildungsstätten, in welchen diese Kinder später beruflich ihr Standbein aufbauen können. Nur mal so zum Nachdenken: Das Schulgeld für ein Straßenkind, das auf diese Weise eine Lebenschance erhält, kostet 100€ jährlich. Das Geld wird über Spenden beschafft.
In den nächsten Tagen bilden wir nun die Mitarbeiter von Happy Home in unseren Traumamethoden aus, so dass die Kinder und Jugendlichen ihre schwierigen Lebenserfahrungen besser bewältigen können.




Arrival in hyderabad

2017-08-10

 Ankunft in Hyderabad






 


                                                                       2017-08-11

Erster Tag “TraumaHelfer” Indien

Heute hatten wir den ersten Kurs “TraumaHelfer”. Wir waren mit sehr interessierten Menschen zusammen, die zum Einen - wie bereits geschrieben - Fachleute sind, es gesellten sich aber auch einige Eltern der hier beschulten behinderten Kinder dazu, die sich direkt vor Ort unsere Techniken der Selbstregulation und Stabilisierung abholten, denn - wie wir erfuhren - ist auch ein Teil der behinderten Kinder zusätzlich traumatisiert.
Indische Menschen lernen sehr konzentriert, schreiben ununterbrochen mit und stellen zunächst (ohne explizite Aufforderung dazu) nichts in Frage. Wir durften die Erfahrung machen, dass auch “Metal-Yoga-Technik” lächelnd bestätigt wird, um  dann zu kapieren, dass das überhaupt kein Begriff ist…;-)
Entschleunigtes Atmen gehört hier zum Alltag und das Erwähnen von “Pranayama” reicht aus, um alle Zuhörer zum authentisch wissenden Nicken zu bringen. Wobei - Nicken ist nicht Nicken. “JA” = schnelles, lockerleichtes Wackeln mit Kopf hin und her.
Hier verknotet sich dann unser Hirn, denn spontan dieses “Ja” als “Ja” und nicht als “Nein” zu registrieren, erforderte unsere ganze Konzentration. Das Wackeln hat den exzellenten Vorteil, dass Inder keine Hals-Nacken-Beschwerden haben, da sie täglich auf diese Weise Funktionelle Entspannung praktizieren. Also: Pranayama plus indisches “Ja” = Relaxation in a few minutes.
Das Highlight war das gemeinsam geschmetterte “ARAMSAMSAM” mit allen KursteilnehmerInnen, die Text und Bewegung sofort verstanden und umsetzten.
Am Ende des Tages hatten wir eine Gruppe InderInnen sichtbar begeistert und motiviert. Morgen geht der Kurs dann weiter.

Am Abend wagten wir uns in den Außenbereich des Hyderabader Stadtzentrums. Dies war ein Erlebnis für sich, mitten im bereits gestern beschriebenen Straßenverkehr zu Fuß unterwegs (ohne Gehwege). Als Fußgänger bedeutet die Hupe von hinten, vorne, rechts oder links immer: FREEZE-KEINE BEWEGUNG-SONST WIRST ÜBERFAHREN. Diese Strategie ist ÜBERLEBNSNOTWENDIG. Eindrücke unserer Tour schicke ich als Fotos, Bilder erzählen mehr als Worte… 





 

 

                                                                                  2017-08-13

InderInnen lernen Sandspieltherapie, Lifeline, EMDR und Funktionelle Entspannung

Gestern boten wir den zweiten Tag unserer ersten TraumaHelfer-Schulung in Indien an. Das Interesse an Techniken zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen ist hier sehr groß. Fast alle Teilnehmer haben selbst sehr schwierige Lebensereignisse hinter sich. Unter anderem hatten wir wieder die Eltern der “special childs”, der behinderten Kinder mit dabei, die heute nun von ihren Sorgen und Nöten als “special family” berichten konnten. Insgesamt betrachtet unterscheiden sich diese Familien kaum von deutschen Familien mit behinderten Kindern, denn auch in unserem Land erfahren Menschen mit Behinderung noch viel Ausgrenzung und Ablehnung und müssen für Anerkennung, Bildung und Unterstützung kämpfen. Sehr berührend waren die Berichte der Mütter über den Zusammenhalt innerhalb der Familie und das hohe Engagement der Väter. Natürlich spielt hier, im Vergleich zu Deutschland, der wirtschaftliche Faktor eine weitaus höhere Rolle. Niemals haben wir zuvor Armut und Reichtum so nah beieinander erlebt.
Sehr gut angenommen wurde unsere Einheit “Funktionelle Entspannung”, bei der sich unsere Yoga-geschulten Teilnehmer natürlich leicht taten. Gespannt waren wir auf die individuellen Stresslevel vorher-nachher. Deshalb verwiesen wir auf die App “Stress Check” auf dem Smartphone (soweit vorhanden), die auch gleich genutzt wurde und ließen die anderen, die kein Smartphone hatten, teilhaben. Da uns sehr interessiert, wie Yoga-Erfahrene von unseren Interventionen zusätzlich profitieren können (in Deutschland hören wir ja oft: “Ich mache schon Yoga, ich brauche keine neuen Entspannungstechniken”) haben wir eine kleine Studie gestartet,bei der die Teilnehmer randomisiert in den nächsten Tagen ihre Stresslevel vor und nach Funktioneller Entspannung, SURE und Entschleunigtem Atmen per App messen und via Whatsapp an uns zurück melden sollen.
Ein Teil der Gruppe bestand aus indischen Psychologie-Studentinnen, die unsere in der Flüchtlingsarbeit verwendeten Diagnostik-Instrumente kennen gelernt haben und diese nun ins Indische (Telugu) übersetzen werden.
Alles in allem hatten wir einen erfolgreichen ersten Kurs, in welchem wir neben Eltern und TraumaHelfern Fachleute auf den Weg gebracht haben, die hier im Child Guidance Centre die erste Traumagruppe starten werden.
Abends haben wir noch einen Spaziergang durch die nahe gelegene Wohngegend gemacht.

Die Eindrücke des Tages folgen in Bildern:

 

Der Eingang zum Child Guidance Centre. Das Gebäude ist sehr gut bewacht. The entrance to the Child Guidance Center. The building is very well guarded.
Alle legen ihre Lebenslinie mit den positiven und belastenden Lebensereignissen. Im Anschluss ein intensiver Austausch. Everyone puts their life line with the positive and stressful life events. Then an intensive exchange.
Die Büglerin von Happy Home…

Internationale Kommunikation mit Fußball und Cricket.

International communication with football and cricket.

Wir implementieren den inneren sicheren Ort aus dem besten Lebensereignis mit EMDR. We implement the inner safe place from the best life experience with EMDR.
Übersetzung des Seminars in indisch-telugu durch Rajani. Translation of the seminar in indian-telugu by Rajani.
Sandspieltherapie-Übung. Die indischen Teilnehmer haben die Wirksamkeit der Sandspieltechnik in Kombination mit den Selbstregulationstechniken am eigenen Leib erfahren und verstanden! Sand play therapy exercise. The Indian participants have experienced and understood the effectiveness of sandplay technology in combination with self-regulation techniques!

Jungs von Happy Home.


Guys from Happy Home.


 

Gottesdienst im Happy Home 1
Gottesdienst im Happy Home 2
Kanon “Der Himmel geht über allem auf”

 


2017-08-13

Evangelischer Gottesdienst im Happy Home mit christlichen und hindi Kindern ;-)

Gottesdienst im Happy Home 1
Gottesdienst im Happy Home 2
Kanon “Der Himmel geht über allem auf”

Heute haben wir einen von Ulrike Paeper sehr schön gestalteten Gottesdienst für die Happy Home-Kinder miterlebt.
Zuerst bildeten wir im Innenhof einen Kreis, um den Sonnentanz miteinander zu tanzen, kurz zuvor hatte sich der Monsun über uns ergossen. Monsun ist der Inbegriff von “es schüttet wie aus Eimern”. Während des Tanzes und danach blieben wir trocken ;-)
Grundlegendes Thema des Gottesdienstes war, das Leben trotz aller Widrigkeiten als Geschenk (und ich würde auch sagen Herausforderung) Gottes anzunehmen, sich gegenseitig mit allen individuellen Schicksalen zu würdigen und zu respektieren und alles miteinander zu teilen. Manche Kinder wurden dabei persönlich beim Namen genannt und man merkte die besondere Wertschätzung und das Gefühl von Angenommensein am Strahlen dieser Kinder. Symbolisch wurden im Anschluss verschiedene Leckereien wie Bananen, Chapati, Gurken, Karotten, Gummibärchen und Schokolade geteilt.
Die Kinder haben sehr inbrünstig ihre Lieder gesungen, wir haben - soweit es ging - den Refrain auf telugu mitgesungen.
Der Professor engagierte sich mittendrin als Chorleiter und wir haben versucht, den Kindern den Kanon “Der Himmel geht über allem auf” beizubringen, die Kinder waren eifrig dabei, so dass der zweistimmige Kanon durch den Innenhof schallte.
Am Ende des Gottesdienstes haben wir dann allen Kindern ARAMSAMSAM gezeigt und sie haben begeistert mitgemacht und mitgesungen und “Zugaben” eingefordert. Die Kinder lieben rhythmische Lieder mit Bewegungen, die sie mitschmettern können, so dass unser Selbststabilisierungslied hier ein “Selbstläufer” ist.

Heute singen und trommeln die Kinder den ganzen Tag. Sie haben schulfrei. Die Kinder gestalten ihren Tag im Happy Home zumeist eigenständig. Es gibt kein organisiertes Betreuerteam. Rajani, unsere Dolmetscherin, wohnt hier und trägt die Verantwortung. Sie ist eine vom Child Guidance Centre ausgebildete Sozialarbeiterin und Psychologin. Zusätzliche Hilfskräfte sind ehemalige erwachsene Happy Home “Kinder”, die weiterhin hier wohnen und sich um die kleineren Kinder kümmern. Sie kochen, waschen, putzen und sorgen für einen geregelten Tagesablauf. Außerdem sorgen automatisch die älteren Kinder für die jüngeren.
Eine hier lebende Frau mittleren Alters erzählte uns, dass sie viel lieber hier wohne, es gehe ihr sehr gut und wenn sie ausziehen würde, so würde sie heiraten müssen, was ihr eine ungewisse Zukunft mit einem unbekannten Mann bescheren würde, was sie nicht wolle. So ist Happy Home auch eine Zuflucht für Frauen geworden.
Wir haben inzwischen weitere Schicksale der hier lebenden Kinder erfahren, dazu schreiben wir in einem späteren Beitrag mehr. 

Prof. Loew führt in die 3D-Kameratechnik ein…;-) Prof. Loew introduces 3D camera technology ... ;-)


Sonnentanz im Innenhof. Sunshine dance in the courtyard.



 

2017-08-15

Unabhängigkeitstag in Indien

Gestern war “Holiday” in Indien und auch wir hatten einen freien Tag. Da uns am Nachmittag mal wieder ein mächtiger Monsunregen durchnässte, musste ein Ausflug gemeinsam mit den Kindern zum Lumbiti-Park abgesagt werden.
Wir sind dann in kleiner Runde zum Birla-Tempel gefahren, um diesen zu besichtigen. Überrascht hat uns einerseits die sehr fromme/heilige Haltung der Inder bezüglich ihrer Hindi-Gottheiten und gleichzeitiger Verschmutzung der Tempelanlage durch Picknick- und Flaschenmüll. Alles hat eben immer zwei Seiten…
Leider darf man im Birla-Tempel keine Fotos und Videos aufnehmen, so dass wir nur Bilder von der Außenansicht einstellen können. Von ganz oben gab es eine sehr schöne Sicht auf diese riesige Stadt Hyderabad, die doppelt so groß wie Berlin ist. Man kann in keine Richtung ein Ende erkennen, selbst wenn kein Smog wäre.
Im Anschluss haben wir eine Straßenüberquerung zu Fuß gewagt und uns als echte “Sensation-Seeker” erprobt. Was für ein Kick, wenn man die andere Straßenseite durch all das Getöse, Gehupe und Gewusel heil erreicht!
Da gestern ganz Indien auf den Beinen war, konnten wir auch viele bettelnde Menschen sehen. Neben den sehr, sehr armen Menschen, die in furchtbar aussehenden Slums mitten in der Stadt wohnen, gibt es sehr professionell organisierte Bettelbanden.
Uns schloss sich ein etwa siebenjähriges Mädchen an, das uns ständig mit Gesten anzeigte, Hunger zu haben, bald kam die sehr junge Mutter mit dem ca. zweijährigen Bruder dazu, alle drei wichen nicht mehr von unserer Seite. In unmittelbarer Nähe war dann der Mann auszumachen, der die drei “steuerte”. Es fiel extrem schwer, den Kindern nichts zu geben, doch man verhindert mit Geldgaben, dass diese Kinder in die Schule geschickt werden. Würden sie zur Schule gehen, könnten sie nicht mehr betteln gehen und würden nicht mehr zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ein endloser negativer Kreislauf, der die Armut aufrechterhält.
Ein Ziel des Child Guidance Centre ist es, die indischen Kinder zu Schulbesuchen zu bewegen und sie zu bilden, um richtige Berufe erlernen zu können und aus dem Armutskreislauf aussteigen zu können.

Heute ist der Indische Unabhängigkeitstag. Schon sehr früh waren die Kinder auf den Beinen, um das Fest vorzubereiten. Nach dem Frühstück versammelten sich alle im Innenhof und mit viel Gesang, Musik, Tanz und Brimborium wurde die Nationalflagge gehisst. Die behinderten Kinder zeigten uns dann durch ein kleines Theaterstück den Verlauf der Unabhängigkeit und hielten stolz die Tafeln mit den Portraits aller beteiligten Politiker hoch.
Unter ihnen auch Mahatma Ghandi, der hier nicht nur positiv gesehen wird, da er trotz Einsatz für die Menschen im Kastensystem weiterhin die Menschen außerhalb des Kastensystems, die Dalits, missachtete.
Noch immer haben die Dalits hier einen sehr schweren Stand, z.B. als Studenten an den Universitäten, obwohl die Regierung die Ungleichbehandlung per Gesetz nicht erwünscht.
Allerdings gibt es hier noch mehrere Traditionen, die verboten sind, rechtlich geahndet, aber dennoch  durchgeführt werden.
Zum Beispiel wohnen im Happy Home drei Geschwister, deren Vater die Mutter angezündet und damit getötet hat, weil er sie des Ehebruches beschuldigte (Beweise unnötig). Die Kinder waren zur Tatzeit 2, 3 und 6 Jahre alt, sie haben dabei zugesehen. Der Vater sitzt jetzt seine Strafe im Gefängnis ab (ca. 10 Jahre), während die Kinder im Happy Home auf seine Entlassung warten, um dann wieder nach Hause zu gehen.
Auch eins der anderen Mädchen, Bhavani, musste zusehen, wie die Eltern sich selbst unter starkem Alkoholeinfluss mit Kerosin übergossen und gegenseitig angezündet haben. 

Tour Birlar Temple

Ausflug Birlar-Tempel

The flag is hoisted. Die Flagge wird gehisst.


The excursion team from left: Das Ausflugs-Team von links: Tobi, Rajani, Elias, Ulrike, Beate, Thomas
The children have a devotion every evening in which they sing and pray. Devotion is always guided by a child. Die Kinder haben jeden Abend eine Andacht, in der sie singen und beten. Die Andacht wird immer von einem Kind angeleitet.


A typical Indian family carriage ... ;-) Eine typisch indische Familienkutsche…;-)




                                                                                  2017-08-16

Fahrt nach Guntur

Heute war ein besonderer Reisetag. Wir haben uns um 10 Uhr in zwei Autos auf den Weg nach Guntur gemacht. Guntur ist eine Millionenstadt südöstlich von Hyderabad.
Ziel ist eine weitere Institution unserer Gastgeber, in der 65 behinderte Kinder beschult werden. Dazu gehört eine weitere Einrichtung in der 150 traumatisierte Mädchen, Frauen und Jungs ein Zuhause gefunden haben. Sie waren entweder zwangsprostituiert worden oder lebten – wie in Hyderabad - auf der Straße. Auch sie werden beschult und erhalten die Möglichkeit, Ausbildungen zu machen oder sogar zu studieren.
Am Abend sind wir gut angekommen. Dazwischen haben wir ein paar beeindruckende und auch schockierende Stopps gemacht. Wenn wir dachten, wir hätten in Hyderabad Armut gesehen, so wurden wir auf dem Weg nach Guntur eines Besseren belehrt.
Unsere erste Station war eine weitere Schule für behinderte Kinder. Wir wurden traditionell mit Blumenkränzen und Gesang empfangen. Man zeigte uns stolz die Klassenzimmer mit den Schülern, die sich sehr gerne fotografieren ließen. Auch von diesem Child Guidance Projekt konnten wir einen sehr guten Eindruck gewinnen.
Danach besuchten wir ein Kalkwerk, in welchem Familien leben und arbeiten. Hier schlugen uns Leid und Armut mit aller Wucht entgegen.
Der Zweck dieses Projektes ist es, die Kinder der arbeitenden Eltern zu beschulen. Dies ist nicht so einfach, da die Kinder generell vom jüngsten Alter an mitarbeiten und zum Tageslohn beitragen. Ein Tageslohn ist für einen Mann umgerechnet 2€, für eine Frau 1€ und für ein Kind 50 Cent. Die dort ansässige „Community and Rural Development Society“ (CARDS) bietet 70 Kindern einen Schulplatz. Die Kinder erhalten 2x täglich ausreichendes und gesundes Essen. Die Eltern sind willig, ihre Kinder zur Schule zu schicken, wenn das CARDS den täglichen Verdienstausfall des Kindes an die Familien auszahlt. Unter den 70 Kindern werden auch 20 behinderte Kinder versorgt, die durch Unfälle im Kalkwerk verletzt wurden. Neben körperlichen Handicaps haben die Kinder auch geistige Behinderungen durch Kopfverletzungen. Manche Kinder kommen nur morgens zum Essen und gehen anschließend mit ihren Eltern arbeiten.
Die Familien wohnen in extrem schlechten Verhältnissen. Die Behausungen sind im besten Fall 5 qm große, gemauerte Flachdachbauten für mindestens 5 Personen, im schlechteren Fall Stoffzelte. Alles ist schmutzig und erinnert eher an eine Mischung aus Kanalisation und Müllhalde.
Im Kalkwerk hat uns ein älterer Junge stolz erzählt, dass er in die Schule geht und lernt. Er konnte gut englisch sprechen und wirkte fit. Wir konnten ihm nur Mut machen und ihn in seinem Vorhaben bestärken.
Die noch grausamere Seite des Lebens im Kalkwerk ist der hohe Alkoholkonsum der Eltern. Dies bewirkt, dass die Kinder häufig auf sich alleine gestellt sind und manchmal mehr arbeiten als die Eltern. Es ist ein wahnsinnig tristes Dasein dieser Menschen und es berührte uns zutiefst. Man kann sich vorstellen, dass dieses Leid nur erträglich ist, wenn man zweifelsfrei an Karma und Wiedergeburt glaubt.
Am Abend sind wir nun in Guntur angekommen, einem sehr hübsch gestalteten Schulkomplex des Child Guidance Centre, in  welchem wir morgen ca. 50 neue TraumaHelfer schulen werden. Diese sind Universitätsdozenten, Lehrer, Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter.
Wir freuen uns sehr darauf! 

The journey - 300km over land - to Guntur can not be described by words and pictures alone. Die Fahrt - 300km über Land - nach Guntur ist mit Worten und Bildern allein nicht zu beschreiben.
Hard physical work in the lime works. Harte körperliche Arbeit im Kalkwerk.
The children sing and dance for us. Die Kinder singen und tanzen für uns.
Housing in lime works. Behausung im Kalkwerk.


Insight into the school life of the "special childs", here in the "Sensory Room". Einblick ins Schulleben der “special childs”, hier im “Sensory Room”.
School in lime works. Schule im Kalkwerk.
Cottage in lime plant. Hütte im Kalkwerk.



 

2017-08-17

Zweiter TraumaHelfer-Kurs in Guntur

Unser zweiter Kurs ist, wie der erste, bis auf den letzten Platz besetzt. Von den 57 Teilnehmern sprechen aber nur knapp 10 Englisch. Radjani, unsere Psychologin, leistet, wie Trump sagen würde, einen grandiosen Job und übersetzt fast 6 Stunden sequenziell. Wir dürfen – wie erwähnt – diesmal vier verschiedene Berufsgruppen abholen: College-Studenten, denen wir verdeutlichen müssen, dass sie in ihrem jeweiligen beruflichen Umfeld auf die Symptomatik und dadurch entstehenden Einschränkungen achten müssen. Deshalb bieten wir etwas weniger Neurowissenschaft und mehr konkrete Psychopathologie und vor allem – haben wir aus dem letzten Kurs gelernt – mehr praktische Unterweisung: Diesmal nehmen wir es mit dem Monitoring mittels der visuellen Analogskalen (VAS) sehr genau, die z.B. eine Einschätzung von individueller Belastung beim Erinnern von kritischen Situationen im Leben erlauben, die Studenten zunächst bei sich selbst überprüfen sollen. Dann gibt es die Schulung in SURE (Somatic Universal Regulative Exercise), die nun alle wenigstens 3 min anwenden. Morgen werden wir dann sehen, wie die Intervention im Vergleich zu den noch kennen zu lernenden wirken, und so bekommen die jungen Leute auch noch eine Einführung in die klinische Wissenschaft. Die Stress-Check App, die wir dafür auch gerne einsetzen, können wir diesmal nicht so systematisch nutzen, denn höchstens 1/5 der Teilnehmer hat ein Smartphone. Flatrates (1 GB täglich, Inland-Telefon und SMS unbegrenzt) kosten knapp 5 EUR im Monat, ein internetfähiges Handy ist für 15 EUR zu haben. Zur Erinnerung: Ein Arbeiter im Kalkwerk verdient monatlich ca. 60€, ein im CGC beschäftigter Lehrer verdient monatlich ca. 120€.
Zurück zu unserem Kurs: Wir arbeiten nun noch mehr nach dem Motto: „Learning on the job“. Morgen findet somit die erste Einheit an den Sandkästen mit acht traumatisierten Mädchen zwischen 5 und 12 Jahren statt, die vormals von den Straßen aufgelesen bzw. aus den Bordellen befreit wurden und bei CARTS eine neue Heimat und Zukunft gefunden haben. Die heute geschulten Traumahelfer, die gleichzeitig ihre Betreuer sind, werden sie dann weiter begleiten.
Auch bei der Lernzielkontrolle werden wir strikter: Am Ende des Kurstages wollen wir wissen, wieviel wirklich ankommen ist von unseren Unterweisungen und deshalb gibt es mündliche Prüfungen in 3 Kleingruppen: eine englischsprachige, eine in Telugu und eine gedolmetschte: Und tatsächlich unsere Teilnehmer antworten überlegt und engagiert: Sie wissen, warum welche funktionellen Neurotransmittersysteme eine Bedeutung bei der Traumabewältigung haben, welche Interventionen diesen Systemen zugeordnet werden können, wie wir Spiegelneurone nutzen, wie und warum bilaterale Stimulation funktioniert und weshalb Sandspiel ein Reprocessing ermöglicht. WOW. Danach haben wir uns noch selbst belohnt mit einem Ausflug nach Guntur, einer Stadt mit etwa 1 Million Einwohnern, ca. 60 km entfernt vom Indischen Ozean und zwar von der Küste, die vom Tsunami betroffen war. Die Stadt wirkt von den Bauten und der Art, Geschäfte zu gestalten, ein wenig wie ein italienischer Retorten-Badeort. Nach etwa einer Stunde im Stau stadteinwärts und einer Stunde zurück sind wir nun wieder wohlbehalten in unserem 2. indischen Zuhause angekommen – diesmal ohne Klimaanlage und nur sehr beschränktem Internetzugang. 


Exam at the end of the day in the courtyard. Prüfung am Ende des Tages im Innenhof.


 

 

2017-08-18

TraumaHelfer-Kurs (Tag 2) in Guntur

Guntur – der zweite Tag: Uns war wichtig, dass das SPRINTS (Sandplay Reprocessing Integrating Nornverbal Trauma-Techniques and Selfstabilization), also unser Sandspiel auch tatsächlich umgesetzt wird, deshalb starteten wir heute ganz konkret mit 10 Mädchen aus dem “Girls-Project“, die von den 9 Trauma-Helferinnen und einem – Helfer begleitet werden, die dann auch mit den Mädchen zwischen 6 und 11 Jahren weiterarbeiten werden. Schritt für Schritt – bei ARAMSAMSAM mit Unterstützung der 40 weiteren Teilnehmer –arbeiteten wir uns durch die Agenda – erste Sandspielrunde, die von den Kindern spontan gut gestartet wurde, der Zwischenstabilisierung mit dem Malen der „großen“ Liegenden 8, bei der wir den Kindern zum Teil erst klar machen mussten, dass es hier nicht um Papiersparen geht und nicht um Schönschrift, der 2. Spielrunde, dem abschließenden ARAMSAMSAM und einer ausführlichen Rückmelderunde der Trauma-Helfer, die den Prozess begleitet haben. Sehr schnell hatten diese begriffen, worum es geht, und sehr genau beschrieben, was sie bei den Kindern gesehen haben –den Ablauf des individuellen Spiels, das Zögern, die Herausforderung präsent zu sein und geduldig zu begleiten, was immer das Kind auch spielt. Danach gab es im Plenum nach der obligatorischen Tee-Pause eine sehr kritische Diskussion, einige Teilnehmer hatten Seitenlange Fragelisten mitgebracht, die auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau, z.B. was die konkreten neurologischen Aspekte des Lernprozesses beim motorischen Lernen der Liegenden 8 anging, die empirische Begründung des Vorgehens und Studienlage für unser Vorgehen generell beinhalteten. Nach etwa 30 min vertagten wir den weiteren Austausch dann auf die Mittagspause. Danach stellten wir das Konzept der Lebenslinie vor: Das Datieren der schlechten und der guten Erlebnisse und die Beurteilung der Belastung durch die individuellen Ereignisse mit Hilfe der skizzierten Trauma-Landschaft, das dem EMDR entstammt. Abschließend wurde noch das Prinzip des slow-paced breathing vorgestellt und praktisch gezeigt (mit der Faltzetteldokumentation). Nach der Mittagspause ging es in 2 Gruppen a 27 Teilnehmern weiter: jeweils zu dritt bis zu viert legten die Teilnehmer ihre “Lifelines“, platzierten ihre Highlights und Belastungen, bewerteten die Ereignisse, suchten sich dann das beste Lebensereignis aus, malten es als “Snapshot“ und erlebten das „Verankern und Vertiefen“ dieses Bildes als Inneren Sicheren Ort mittels langsamer bilateraler Stimulation . Nach den kritischen Rückmeldungen am Ende des Vormittags hatten wir es nun zunehmend mit angenehm überraschten Gesichtern zu tun, weil die Teilnehmer nun tatsächlich spüren konnten, dass sich etwas verändert. Trotz widriger Umstände, denn für mehrere Stunden war die Einrichtung ohne Strom und ohne fließend Wasser, was aber niemanden groß irritierte. Gut, dass wir viele Akkupacks dabei haben, so konnten wenigstens die Kameras weitersurren und unser Anspruch, alle Seminareinheiten aus wenigstens 2 Perspektiven aufzuzeichnen, trotzdem klappen. In der abschließenden Einheit, die eine Zusammenfassung der Entspannungstechniken und Integration der Entspannungs-Interventionen beinhaltete waren wir dann schon soweit indianisiert, dass wir die Inhalte mittels Pantomime statt Power Point und Symbolträgern aus dem Garten überbrücken konnten. Höhepunkt war die Integration von Bewegung und Atmung mittels Funktioneller Entspannung, natürlich eingebettet in eine Vorher – Nachher Dokumentation mittels visueller Analogskalen – wie auch bei den anderen Interventionen, so dass wir bald über eine kleine kontrollierte prospektive Studie berichten können – Wie können Menschen, die gut Yoga erfahren sind – und das sind hier alle – mit unserer Funktionellen Entspannung entspannen. Vollends überzeugt von dem Konzept der kleinen Bewegungen waren unsere Teilnehmer übrigens nach dem Youtube Clip – The Hold – von einem kalifornischen Kinderarzt - mehr wollen wir hier nicht verraten. Das Abschiedsfoto und ARAMSAMSAM goes India  findet ihr bald auf YT. Morgen geht unsere Reise durch den Monsun am Ende der Welt (wir sind hier wahrscheinlich weiterhin die einzigen Europäer auf 50.000 qkm) in den Dschungel – wenn die Mückenplage (Dengue-Fieber-Überträger) nicht zu groß ist. Den Abend haben wir in kleiner Runde mit wechselseitigem Zitieren von Gedichten auf Telugu und Deutsch gestaltet (da es hier kein Fernsehen und keinen Internetzugang gibt) und unsere eigenen Bollywood-Inszenierungen. Wir können seit gestern Indische Musikvideos nur empfehlen! (den Link kriegen wir noch raus). 

The children from the "Girls Project" in the life demo "Sandplay-therapy". Die Kinder aus dem “Girls Project” in der Life-Demo “Sandplay-therapy”.


If there is no ropes, chalk goes ... Wenn es an Seilen mangelt, geht auch Kreide…
The group looks at how 10 TraumaHelper work with 10 children from the "Girls Project". Die Gruppe schaut zu, wie 10 TraumaHelfer mit 10 Kindern aus dem “Girls Project” arbeiten.
Our tireless cook Lakshmi at work. Unsere unermüdliche Köchin Lakshmi bei der Arbeit.



 

2017-08-20

Studienreise zu drei Projekten: Girl´s Project, College und Bala Bata

Am Tag nach unserem zweiten erfolgreichen Traumahelfer-Kurs unternahmen wir eine kleine Studienreise zu drei Projekten des Child Guidance Centre und CARDS.
Zunächst besuchten wir das „Girls Project“, in dem ca. 60 traumatisierte Mädchen zwischen 4 und 16 Jahren wohnen. Die Mädchen werden in Indien häufig abgetrieben oder ausgesetzt, denn sie sind weniger „wertvoll“ für die Familien, kosten beim Verheiraten ca. 3-4 Jahresgehälter des Vaters können die Eltern im Alter – im Gegensatz zu den Söhnen – weniger gut finanziell versorgen. Zum ersten Mal haben wir in Indien eine traumatisierte Gruppe beobachtet, die uns innerhalb unseres halbstündigen Aufenthaltes etliche Traumasymptome zeigte.
Nichtsdestotrotz tanzten und sangen die Kinder für uns und ließen von den Betreuern ihre Geschichten erzählen. So kam ein Mädchen in das Girl´s Project, nachdem es als Dreijährige von der Mutter am Bahnhof ausgesetzt wurde, zwei andere Mädchen (Geschwister) wurden ebenfalls am Bahnhof in einer Mülltonne entdeckt. Ein anderes Mädchen ist hier, weil die Mutter schwer an Tuberkulose erkrankt ist und es keine weitere Verwandtschaft gibt und eines der Mädchen ist – wie die Mutter auch – mit HIV infiziert. Alle Kinder erhalten hier ein geregeltes Zuhause und positive Aufmerksamkeit durch liebevolle und zugewandte Betreuer und Lehrer. Ab jetzt können diese – da sie von uns geschult wurden – auch die traumatherapeutischen Techniken anwenden, um die belastenden Symptome zu reduzieren.
Mädchen ab 16 Jahren besuchen im Anschluss an die 10. Klasse in der Regel das College, in welchem sie wohnen. Dieses College durften wir auch besichtigen und miterleben, wie eifrige, indische Studenten sich auf Berufe wie Lehrer, Krankenschwester, Bankangestellter, Ingenieur, Pharmazeut oder Laborant vorbereiten. Am Ende des College-Studiums schließen die Studenten mit dem Bachelor ab, der sie – wie bei uns auch – befähigt, ein Masterstudium anzuhängen. Beeindruckend, unter welch einfachen Verhältnissen (enge Bauten, stickig, heiß, Metallbestuhlung, kaum Bücher) man lernen kann. Kaum ein Student hat Bücher, dafür gibt es die College-Bücherei, in der Bücher ausgeliehen werden können. Diese müssen vor Ort gelesen werden und so schreiben viele Studenten Buchtexte handschriftlich ab.
Am Abend haben wir dann ein ehemaliges Slumviertel besucht, in welchem das Projekt ein „Bala Bata“ (= Nachmittagsbetreuung) ins Leben gerufen hat. Hier werden auf ca. 6 qm um die 40 Kinder täglich versorgt. Sie erhalten morgens ein Frühstück, werden dann zur Schule geschickt und bleiben nach Schulschluss bis ca. 19 Uhr. Die Betreuer legen Wert auf vollständige Hausaufgaben, Nachhilfeunterricht, gemeinsames Singen, Spielen und Beten sowie geregeltes Essen. Die Eltern mussten zu Beginn von der Notwendigkeit überzeugt werden und bringen jetzt ihre Kinder sehr gerne. Vorher wurden die Kinder in den Schulen wegen fehlender Hausaufgaben oft geschlagen und ausgegrenzt, so dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken wollten. Jetzt ist dieses Problem gelöst und die Kinder können angstfrei zur Schule gehen.
Bei unserem Besuch im Bala Bata wurden wir – als Weiße – sehr bestaunt, manche Kinder erschraken auch und schauten uns mit untertellergroßen Augen an. Wir quetschten uns alle zusammen in den 6 qm großen Raum – nun 50 Personen – und die Kleinen sangen, rezitierten Gedichte und zählten im Zehner- und Hunderterraum auf Telugu, um uns ihr Können zu demonstrieren. Am Ende sangen wir auch hier gemeinsam mit allen Kindern und Betreuern und mit viel Spaß und Lachen das Aramsamsam, um uns im Anschluss mit Gummibärchen für Alle (diese Süßigkeit ist hier eher unbekannt und wurde misstrauisch beäugt…;-) zu verabschieden.
Ein ereignisreicher Tag, der sehr zu Denken gibt und uns zum Teil bis in die Nacht hinein beschäftigt hat.
Noch zu erwähnen ist die Erkenntnis der unterschiedlichen Mentalitäten Deutscher und Inder:
Ein Deutscher hat in der Regel – egal ob er gut versorgt, gesund, komfortabel oder sogar luxuriös lebt – immer einen Grund zum Jammern.
Ein Inder hat – egal wie groß das Leid und Elend ist – immer einen Blick in Richtung guter Laune oder wie sie hier sagen „Happyness“. 

Pictures of the study tour on 19.08.2017

Bilder zur Studienreise am 19.08.2017

Welcome dance Willkommenstanz
Prof. Loew interviews the Indian college students Prof. Loew befragt die indischen College Studenten
College Library College-Bibliothek


Elias and Tobi distribute gummy bears. Elias und Tobi verteilen Gummibärchen.
Teaching materials in college. Unterrichtsmaterial im College.
Visit Bala Bata Besuch im Bala Bata



 

2017-08-21

Tsunami, Mosbach-Shelter und Bala Bata

Gestern haben wir eine weitere Studienreise in das ehemalige zerstörte Tsunami-Gebiet südlich von Guntur gemacht. Wir fuhren 65km auf sehr abenteuerlichen Straßen und konnten erneut Einblick in die ländliche Gegend erhalten. Neben Cashew- und Mangoplantagen gibt es in dieser Region vor allem Reisanbau, welcher sich im Monsun in der Pflanzphase befindet.
Zuerst besuchten wir ca. 5km vom Strand entfernt das direkt nach dem Tsunami erbaute „Mosbach-Shelter“. Ein Gebäude mit Treppenaufgang zu einer Art Dachterrasse, die im Falle einer Flut den umliegend wohnenden Menschen Schutz bieten soll. Der Tsunami reichte damals mehrere Kilometer ins Landesinnere. Das „Mosbach-Shelter“ wird ca. 5-6x jährlich für solche Notsituationen genutzt, denn es gibt auch weniger dramatische, aber dennoch bedrohliche Naturkatastrophen wie Zyklone, die besonders für die Armen, die hier vielfach noch in einfachen mit Palmblättern gedeckten Hütten leben. Daneben werden die Innenräume für monatliche Versammlungen der weiblichen Bevölkerung oder als Notunterkunft für einzelne Familien aus unterschiedlichen Gründen genutzt.
Bei der Anfahrt zum „Mosbach-Shelter“ hat unser Fahrer den Bus ordentlich im Sand festgefahren, so dass wir auch noch ein kleines „Nebenabenteuer“ hatten. Mit vereinten Kräften und Elias´kluger angewandter Physik in Form von untergelegten Steinen und alten Türblättern konnten wir einen sehr gestressten Fahrer wieder zum Lachen bringen, das Auto befreien und nach einem kleinen Lunch (gelber Reis mit Ei) weiter fahren.
Am Meer haben wir eine kleine Rast gemacht und in kompletter Kleidung (das ist indische Baderegel) in den ca. 2m hohen Wellen das badewannenwarme Wasser des Pazifiks genossen.
Danach ging es munter weiter zum nächsten „Bala Bata“, vor dem uns die Kinder bereits freudig erwarteten, mit Blumen begrüßten und ihre Lieder sangen. In diesem „Bala Bata“ werden seit 6 Monaten die Kinder der in den Verkaufsständen am Strand arbeitenden Eltern betreut. Der Strandabschnitt hier ist seit dem Tsunami als Touristenort zusammen gebrochen und es wird seit 13 Jahren versucht, die Attraktivität wieder herzustellen. Immerhin konnten wir einige Inder sehen, die sich als Touristen hier aufhielten sowie ein kleines Ferienresort. Ausländische Touristen gibt es noch nicht, so dass die Menschen hier insgesamt sehr arm sind.
Laut unseren indischen Freunden wurden hier nach dem Tsunami über mehrere Wochen täglich 2000 Menschen versorgt, verarztet oder zur Bestattung gebracht. Die indischen Mitarbeiter, die damals vor Ort dabei waren, sind zum großen Teil noch immer von den vergangenen Bildern belastet, genauso wie die Menschen, die mit Müh und Not überlebten. 

 Pictures to "Mosbach-Shelter, Tsunami and Bala Bata"

Bilder zu “Mosbach-Shelter, Tsunami und Bala Bata”


Entrance of the Mosbach-Shelter and left stairs. Eingang des Mosbach-Shelter und links Treppenaufgang.
Car stuck. What to do…? Auto festgefahren. Was tun…?
Indian beach life in the former Tsunami area. Indisches Strandleben im ehemaligen Tsunami-Gebiet.
Lounge (the only one) in Bala Bata for 30 children. Aufenthaltsraum (der einzige) im Bala Bata für 30 Kinder.




Shelter terrace of the Mosbach Shelter above Schutzterrasse des Mosbach-Shelter oben
Together we are strong! Gemeinsam sind wir stark!
Welcome ritual in Bala Bata Willkommensritual im Bala Bata
Farewell to Bala Bata with a singing song. Abschied vom Bala Bata mit gemeinsamem Gesang.



 

2017-08-21

Besuch im Trauma Center

Heute haben wir das Trauma Centre besucht. Hier wohnen 45 Mädchen und junge Frauen, die unterrichtet werden und im Anschluss an die 10. Klasse Ausbildungen absolvieren können. Sie werden zum Beispiel Schneiderinnen, was ein gutes Lebenseinkommen sichert oder – ebenso mit relativ hohem Einkommen für eine Frau – Beautycianer.
Weiter Möglichkeiten bietet dann das College, welches wir vor einigen Tagen besuchten und beschrieben.
Die Mädchen hatten eine Menge Fragen bezüglich unseres Schulsystems, der Versorgung alter Leute und dem Umgang mit Heirat und Scheidung. Sie waren sehr interessiert an den Möglichkeiten, mit Bildung, Ausbildung und der Kraft des eigenen Verdienstes in unserem Land als Frau auch ohne Mann gut und unabhängig leben zu können, da dies gerade hier noch sehr schwierig ist. Uns offenbarte sich ein neunzehnjähriges Mädchen, das die Ausbildung im Trauma Centre auf Wunsch der Eltern abbrechen soll, um verheiratet zu werden. Sie möchte dies nicht, aber das Trauma Centre oder die Projektleiter von CGC oder CARDS haben keinerlei Einflussmöglichkeiten. Problematisch ist, dass ein Mädchen umso teurer bzgl. Mitgift wird, je mehr gebildet es ist. Somit haben „Mädchen-Eltern“ üblicherweise kein Interesse an hoher Schulbildung der Töchter. Manchmal hat eine Frau die Chance, nach der Heirat die Ausbildung oder Schulbildung fortzusetzen, wenn der Ehemann dem zustimmt. Auch eine solche Frau haben wir kennen gelernt, die im Trauma Centre unterrichtet und somit ein gutes Vorbild für die anderen Mädchen sein kann.
Mit gemischten Gefühlen sind wir wieder zurück gefahren, konnten jedoch strukturell die Etablierung der Traumatherapie für alle dort lebenden Mädchen besprechen und in die Wege leiten, denn sie haben alle furchtbare Erlebnisse mit Verlusten, Gewalt, Verbrennung etc. hinter sich. So wird demnächst einmal pro Woche jedem Mädchen eine Traumatherapiestunde mit „Lifeline“ und EMDR nach unserem Modell angeboten, da die Betreuer (Psychologen, Sozialarbeiter) unseren Kurs besucht haben und mit Unterstützung eines hier gedrehten Lehrfilmes das Gelernte umsetzen können. 

A school class Eine Schulklasse


Cutter-Class Schneider-Klasse
Beauticianer-class Beauticianer-Klasse
Midwives class Hebammen-Klasse



 

 


2017-08-22

Erster Tag des dritten “TraumaHelfer-Kurses”

Nachdem wir gestern Nacht auf der Heimfahrt eine satte Reifenpanne hatten – der rechte Vorderreifen des Busses platzte bei voller Fahrt  und wir schlingerten und hoppelten unter Begleitung von viel Gehupe der anderen Autos, Lorries und TukTuks auf den Standstreifen, wo wir mit wenig brauchbarem Werkzeug mal wieder vereint den Reifen wechselten (JA! Es gab ein Ersatzrad im Wagen!!!!)– sind wir nach Mitternacht reichlich erschöpft ins Bett gefallen. Derzeit haben wir Außentemperaturen von 45 Grad im Schatten, die sich nachts nur mäßig abkühlen. Die hohe Luftfeuchtigkeit von nahezu 100% lähmt sukzessive über den Tag hinweg die Lebensgeister und man muss sich nicht mühen, trotz der klimatisch anstrengenden Bedingungen einzuschlafen. Adventure pur!
Am Morgen ging es dann munter weiter mit dem nächsten TraumaHelfer Kurs. Wir haben heute den Rekord mit 83 Teilnehmern gebrochen! Es lernten Lehrer, Betreuer, Sozialarbeiter und College-Studentinnen in einem ca. 60 qm großen Raum unwahrscheinlich diszipliniert und wissbegierig bei wiederum 45 Grad Außentemperatur und mäßig klimatisiertem Innenraum. Sie erfassten die Basics der Neurophysiologie sehr schnell und ergänzten sehr klug und kreativ ihre eigenen indischen Techniken bilateraler Stimulation. Wiederum beeindruckte die schnelle Wirkweise der Sandspieltherapie, denn auch in diesem Kurs legten wir Wert auf Selbsterfahrung trotz hoher Teilnehmerzahl. Die häufigsten genannten „bad experiences“ waren unter anderem Autounfälle, was bei diesem verrückten Verkehr nicht verwundert. Wir erlebten – nicht anders wie zu Hause – die sehr schnelle emotionale Beteiligung der „sandplayers“ und konnten mit den Stabilisierungstechniken SURE, entschleunigtem Atmen und bilateraler Stimulation, am eigenen Leib erfahren, überzeugen.
Heute erprobten wir zum ersten Mal die Vermittlung der neurophysiologischen Vorgänge per Theaterstück. Die Teilnehmer formierten sich als „Gehirn“ im Innenhof und spielten die Vorgänge in Amygdala, Insula und Hypothalamus nach. Alle hatten viel Spaß dabei und in der anschließenden Examination konnten die Antworten von sehr vielen Befragten richtig wiedergegeben werden, obwohl sie zum ersten Mal mit diesen Wörtern konfrontiert waren.
Am Abend findet nun noch eine „Visitation“ bei erkrankten indischen Patienten statt und morgen starten wir in den zweiten Tag unseres dritten indischen TraumaHelfer-Kurses. 

81 female and 2 male participants listen attentively. 81 weibliche und 2 männliche TeilnehmerInnen hören aufmerksam zu.
Traditionally, the shoes remain outside the door. Traditionell bleiben die Schuhe vor der Tür.


Translation of our RETROS in telugu. Übersetzung unseres RETROS in telugu.
Trauma-Theatre to learn Neurophysiological processes. Trauma-Theater, um neurophysiologische Prozesse zu lernen.
Our tire range...;-) Unsere Reifenpanne... ;-)
Aramsamsam - here is called "Action Song". Beside our self-stabilization, we show the Indians the implementation of the simple movements into their own songs. Aramsamsam - wird hier “Action-Song” genannt. Neben unserem Selbststabilisierungslied zeigen wir den Indern die Umsetzung der einfachen Bewegungen in ihre eigenen Lieder.
Exercise in Sandplay-Therapy



 

                                                                                   2017-08-23

Zweiter Tag unseres dritten TraumaHelfer Kurses

Bis zum Beginn des zweiten Tages unseres dritten Traumahelferkurses hatten wir – zum Teil die Nacht hindurch – den letzten Fragebogen in telugu übersetzt, ein Lehr- und Lernlied zur Selbststabilisierung gedichtet und übersetzt und als Singspiel inszeniert.

Begonnen haben wir den heutigen Kurs – wie beim letzten Mal auch – mit einer kompletten Sandspieltherapie-Session mit den Mädchen des „Child Project“, die somit bereits ihre zweite Sandspielstunde hatten. In der Abschlussrunde berichteten die ausgewählten TraumaHelfer differenziert über ihre Beobachtungen und auch der Zuhörerkreis (über 70 Tn) war sehr diszipliniert dabei. Weiterhin erarbeiteten wir am Vormittag „Slow Paced Breathing“ und vermittelten die diagnostische Bedeutung der Herzratenvariabilität und deren Beeinflussung durch die Atmung sowie die einzelnen Schritte der Lifeline bei über 40 Grad und drückender Schwüle. Mittags entdecken wir unseren Zeitungsartikel in der „Mittelbayerischen“. Danach ging´s weiter mit Übungen zu Lifeline, Trauma-Landscape, Innerem sicheren Ort und EMDR und im Anschluss wurde es heute besonders wissenschaftlich: Wir erklärten unsere Testbefunde der ersten Sandspieltherapiegruppe mit den Regensburger Flüchtlingskindern und gaben eine kurze Einführung in die Forschung: Die Teilnehmer lernten kennen, was eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Untersuchung ist und was mit den jetzt übersetzten Fragebögen gemessen werden kann. Danach wurde es wieder „bewegt“ und eine kleine Gruppe zeigte die selbst einstudierte Premiere des „Trauma-Self-Help-Songs“ auf Telugu, welche heftig beklatscht wurde (englischer Text: Though afraid here I stay, swinging move my fear away (Erklärung von SURE). Count 4 while breathe in, count 6 while breath out, I'll be calm in minutes though they me shout loud (Erklärung von “slow paced breathing”= entschleunigte Atmung). Cross clap my arms, look left and right, won't freeze, I'm clear, can concentrate (= Bilaterale Stimulation. Zum Abschluss wurde im Innenhof der 2- Teil des “Brain-Theatres“ geprobt und vorgeführt, um die (neuro-)physiologischen Vorgänge noch einmal verdeutlichen und verinnerlichen helfen sollte.

Nach dem Kurs fand eine „Visitation“ mit ca. 40 Mädchen aus dem „Girl´s Project“ statt, die die Mädchen sich nach unserem letzten Besuch dort dringend wünschten. Mit einem Bus wurden sie zu uns gebracht, setzten sich im Innenhof im Kreis zusammen und mit Hilfe einer Übersetzerin erzählten die Mädchen ihre emotionalen Schwierigkeiten, die sich aufgrund ihrer schweren Schicksale zeigen und die ihnen oft das Leben weiterhin erschweren. Meist wurden sehr klar Traumasymptome geschildert oder Symptome aufgrund depressiver Episoden und Bindungsstörung. Dies war mit Sicherheit eine der schwierigsten Momente unserer Reise, da uns 40 erwartungsvolle Augenpaare ansahen, die stumm um Hilfe baten und sich kaum in Worten ausdrücken konnten. Dank der übersetzten Fragebögen konnten wir die Symptome durcharbeiten und dadurch –auch die Betreuer-psychoedukativ unterstützen. Wir übten im Kreis gemeinsam bilaterale Stimulation zur Selbststabilisierung und – da bereits zehn dieser Kinder an den Sandspieltherapiestunden teilnahmen – ARAMSAMSAM. Viele der Kinder benannten die Schwierigkeit, Gefühle zu regulieren und häufig nicht steuerbare Überreaktionen zu haben, so dass wir auch mit dieser Gruppe spontan ein kleines Theaterstück inszenierten, in welchem die neurophysiologischen Vorgänge nach Traumatisierung verdeutlicht werden konnten. Neben der intensiven Runde haben wir über den Beginn der jetzt anstehenden Traumagruppen für die unter 12-Jährigen und über 12-Jährigen gesprochen, die baldmöglichst beginnen soll.

Den Abschluss bildete eine schöne Zeremonie, wo wir Dozenten und Projektmitwirkende noch durch das Umhängen sehr aufwändig gearbeiteter Schals (und jetzt wissen wir ja, wie Handarbeit in Indien geleistet wird, die wir vorgestern sehen konnten) geehrt. Den Abschluss bildete die aus voller Kehle gesungene indische Nationalhymne (auf Hindi), die von den Kindern unter 17 noch gar nicht verstanden wird, denn diese Sprache wird erst im Junior College vermittelt (wenn überhaupt). Hindi hat mit Telugu überhaupt nichts gemein. Es ist in etwa so, wie wen wir Russisch lernen müssten (haben uns Sprachkundige so erklärt). Absolut schweißgebadet war unser Ziel war nur noch, möglichst schnell in eines der wenigen klimatisierten Kaffees in der Millionenstadt Guntur zu kommen, um überhaupt ein wenig abzukühlen. Duschen? Das Wasser, das in einem Tank auf dem Dach gespeichert wird, ist so heiß wie die Luft und wenig erfrischend. Morgen heisst es dann Abschied nehmen von Guntur und für einen Tag zur Erholung an den Indischen Ozean. 

Body Theatre with the participants Body Theater mit den Teilnehmerinnen
Also in India, participating mothers with a child are welcome in the workshop! Auch in Indien sind teilnehmende Mütter mit Kind im Workshop willkommen!
Visited more than 40 girls of the Girl's Project Visitation der über 40 Mädchen des Girl´s Project
…with translation …mit Übersetzung


Lunch Mittagessen
Neurophysiology fully explained, after the children told of their uncontrollable impulsive emotional outbursts. Neurophysiologie ganzkörperlich erklärt, nachdem die Kinder von ihren unkontrollierbaren impulsiven emotionalen Ausbrüchen erzählten.



 

2017-08-26

Wir sind wieder online!!!!

Nachdem wir in Guntur und bei unserem eintägigen Ausflug zum Meer komplett ohne WIFI-Möglichkeiten waren, legte obendrein gestern nach unserer Rückkehr nach Hyderabad der Monsun mit einem starken Gewitter das hiesige Internet lahm. Die Außenanlage wurde zuerst im Starkregen versenkt und schmorte danach vor sich hin. Allerdings werkelte der Telefondienstler heute fleißig und wir haben wieder Anschluss zur Außenwelt ;-)
Gestern war also unsere Rückreise von Guntur nach Hyderabad. Wir waren für 360 km insgesamt 7h „on tour“, da die Straßenverhältnisse sehr schlecht waren, es hatte Unmengen geregnet. Wir hatten nach dem letzten Kurs nun einen sehr schönen, wenn auch sehr nassen ;-) – Aufenthalt am Meer, was für uns in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Erlebnis war. Der Indische Ozean ist pipiwarm, hatte während unseres Aufenthaltes hohe Wellen, in die nur wir „verrückten Deutschen“ sprangen, wir waren die einzigen Strandgäste, Baden im Meer bedeutet für Frauen in nicht ausländisch geprägten Hotelanlagen Baden in voller Bekleidung, wir machten Bekanntschaft mit großen roten Krabben und hatten ein romantisches Stranddinner zu zwölft. Unsere Gastgeber gaben sich große Mühe, uns ein gelungenes Dankeschön für unsere bisherige Arbeit zu geben!
Die nächsten Tage sind jetzt erfüllt von Aufarbeitung der Daten aus dem letzten Kurs und Vorbereitungen für den nächsten Kurs, zu dem wir wieder über 50 Teilnehmer erwarten dürfen. Wir wollen vier Therapiegruppen mit insgesamt 40 Kindern auf den Weg bringen, die dann bereits im November evaluiert werden sollen, wenn alles klappt. In Indien „takes all its own time“, so dass wir gut vorstrukturieren und anschieben müssen, damit alles möglichst gut funktioniert und die Kinder die dringend benötigte Hilfe erhalten.
Aufgrund von nun häufiger zu erwartenden Internet-Ausfällen kann es vorkommen, dass unser Blog nicht ganz regelmäßig hochgeladen werden kann.
Genießt unsere Bilder! 

Impressions of our trip from Guntur to the sea and back to Hyderabad

 

Impressionen unserer Fahrt von Guntur zum Meer und zurück nach Hyderabad

 



Our free day at the beach

 

Unser freier Tag am Strand

 

deserted Menschenleer


But many crusty crabs ;-) Aber viele krebsrote Krabben;-)
... who we watched for hours ... if you sit still in front of the holes, they get out and shovel their sand buildings ... sometimes they also bob around a hole ... around us were hundreds ... …die wir stundenlang beobachteten…wenn man ganz still vor den Löchern sitzen bleibt, kommen sie raus und schaufeln ihre Sandbauten weiter…manchmal raufen sie sich auch um ein Loch…um uns herum waren Hunderte…



 

2017-08-27

Ganesha-Festival, Gottesdienst und Kino: 

Seit zwei Tagen ist das traditionelle indische Ganesha-Festival, das die Hindus inbrünstig feiern. Ganesha ist eine Gottheit mit Elefantenkopf und gilt als die Verkörperung von Weisheit, Glück und Erfolg.

Die Hindus feiern ca. 11 Tage lang, innerhalb der 11 Tage wird die verschieden große Figur (meist mindestens 2m groß) der Gottheit in einem Fluss oder See versenkt, bis dorthin wird von den frühen Morgenstunden bis zu den späten Nachtstunden lautstark musiziert, getrommelt und gesungen. Rund um unsere Unterkunft befinden sich mehrere Ganesha-Tempel, die alle ihr eigenes Fest zelebrieren, so dass wir ordentlich indisch beschallt werden. Das Ganesha-Fest ist ein besonderes Erlebnis und ähnelt atmosphärisch unserem Karneval/Fasching. Bei manchen von uns liegen wegen akutem Schlafmangel durch diese gefühlte 24h-Dauer-Party ein wenig die Nerven blank…;-)
Wir hoffen auf baldige Versenkung der Elefanten!
 
Unser Tag startete – da Sonntag – wieder mit einem gemeinsamen Gottesdienst zusammen mit den Kindern. Ulrike überlegte sich aufgrund des starken Monsunregens der letzten Tage die Geschichte der Arche Noah: 



 

Nachmittags sind wir dann mit allen 45 Kindern ins Kino gefahren und haben uns eine dreistündige Bollywood-Blockbuster-Liebesschnulze (typisch indisch) angeschaut. Die Kinder fanden´s super, in der Filmpause gab´s Popcorn und Samosa und auch wenn die Kleinen vermutlich die Handlung nicht so ganz verstanden, hingen sie gebannt an der Kinoleinwand. Ein solches Erlebnis findet weniger als einmal jährlich statt, eher dann, wenn Besuch da ist und es einen Sponsor gibt, in diesem Fall Ulrike Paepers 90-jähriger Vater, der diesen Event finanziert hat. Danach rollte uns der ansonsten als Schulkinderbeförderungsmittel genutzte Bus des Child Guidance Centre zurück durch die smoggeplagten und überfüllten Straßen Hyderabads zurück ins Happy Home. 45 Kinder hatten eine sichtbare „good experience“ und auch uns hat es sehr gut gefallen, den Kindern einen schönen Nachmittag mit ermöglicht zu haben.
Unten unser gelber Schulbus, der uns gerade vor dem Kinokomplex ausgeschüttet hat. 

A relatively empty cinemas, but still filling and a total of about 600 people. You can see "our" children looking for space. Ein noch relativ leerer Kinosaal, der sich aber noch füllte und insgesamt ca. 600 Personen fasst. Zu sehen sind „unsere“ Kinder auf Platzsuche.




 

 

2017-08-29

29.08.2017: Vierter TraumaHelfer-Kurs gestartet!

Derzeit erleben wir sehr viele Strom- und Internetausfälle. Der erfreuliche Aspekt dabei, dass die 20-stündge lautstarke Beschallung aufgrund des Ganesha-Festivals (Gebete aus der Konserve, Trommelmusik, Umzüge mit Fahrzeugen und Menschen a la Oktoberfest nur bunter und lauter), die schon seit 25.8. anhält gezwungenermaßen auch Pause hat.
Gestern waren wir wieder auf Tour, um ein weiteres Projekt zu besuchen: Das Betty-Huber-Haus, ein Junior College mit Wohnheim für finanziell Benachteiligte sowie ein weiteres Happy Home nur für Mädchen. Daneben ist das Gebäude der „Tobi-School“- der Name ist unserem Mitreisenden Tobias Paeper gewidmet- in welcher behinderte Kinder aus den ländlichen Gegenden beschult werden. Die Kinder werden mit hauseigenen Schulbussen morgens abgeholt und am Nachmittag wieder nach Hause gefahren. Die Kinder haben uns – nun für uns zum letzten Mal - nach indischem Brauch mit Blumenkränzen, Gesang und Tanz willkommen geheißen, danach durften wir die einzelnen Klassen besuchen und besichtigen. Wie in allen Projekten des Child Guidance Centre liegt das Hauptaugenmerk darauf, möglichst vielen sozial und gesellschaftlich benachteiligten Kindern möglichst gute Startchancen für deren zukünftiges Leben zu geben. In Indien sind die Gruppe der Dalits („Unberührbare“, nicht dem Kastensystem Zugehörige) die am meisten benachteiligte Gesellschaftsschicht. Sie werden bis heute oft ausgeschlossen, verachtet oder bestenfalls ignoriert. Behinderte Dalits haben hier ohne Unterstützung keinerlei Entwicklungschancen. Die Situation in den Projekten ist um ein Vielfaches besser als in staatlichen Einrichtungen, mit unseren Versorgungsbedingungen aber nicht vergleichbar und so bleibt nach jedem Besuch ein trauriges Gefühl zurück und tausend Ideen und Wünsche der Optimierung. Wie selbstverständlich können viele behinderte Kinder bei uns operiert werden, und so ist es zum Beispiel sehr schwer, mit anzusehen, wie ein Kind mit Klumpfuß zurecht kommen muss, wissend, dass ihm eine Operation – die für das Kind hier nicht bezahlbar ist - das Leben erleichtern würde!
Den Abschluss bildete der Besuch des CGC eigenen Radiosenders, der etwa 150.000 Hörer in der näheren Umgebung erreichen kann. In der strukturschwachen Region verfügen die wenigsten der Armen über einen Internet- oder Fernsehzugang, oft gibt es noch nicht mal Strom, und man muss sich im Klaren sein, viele der 25 bis 60 jährigen sind Analphabeten. Zeitungen bringen dann natürlich auch nichts. Deshalb ist das UKW-Radio eine gute Möglichkeit zu informieren. Das Programm umfasst regionale Nachrichten, Gesundheitssendungen, einen Englisch-Kurs, allgemeine Informationen zur sozialen Sicherung, Erziehungsberatung, spezielle Sendungen für Kinder, die mehrmals wiederholt werden. Wir wurden dann auch gleich über unsere Eindrücke von Indien interviewt.
Neben unserem Besuch haben wir es gestern geschafft, 48 Kinder, die im Happy Home leben zu screenen, um sie anschließend in die Sandspiel- oder Lifeline-Gruppen einzuteilen. Unsere üblichen Fragebögen haben wir ins telugu übersetzt, die Fragebögen der kleinen Kinder ließen wir von den Betreuern, die die Kinder gut kennen, bearbeiten, mit den älteren Kindern und Jugendlichen saßen wir zusammen, um mit ihnen gemeinsam die Bögen auszufüllen. Von allen Kindern sind 80% belastet und 50% erfüllen das Vollbild einer schweren Depression und/oder Posttraumatischen Belastungsstörung. Auch die indischen Kinder kennen suizidale Gedanken und selbstverletzendes Verhalten, es ist jedoch – gesellschaftlich bedingt – schwer, offen darüber zu sprechen und im Interview mit den Betreuern achtsam handzuhaben, da die Erwachsenen sehr schnell dazu tendieren, die Kinder in Richtung „Happyness“ zu beeinflussen. Hier können nun zwei Sandspielgruppen mit den Kleinen und zwei Lifeline-Gruppen mit den älteren Kindern beginnen! In unseren Kursen – heute starteten wir den vierten TraumaHelfer“-Kurs - werden wir auch nicht müde, anzuregen, den Kindern Raum für ihre „painfull experiences“ zu geben, im geschützten Rahmen noch einmal in die Vergangenheit zu blicken, diese mit geeigneten Techniken aufzuarbeiten und dann den Blick in eine wirklich leichtere Zukunft zu öffnen. 

 

30.08.2017 Unser letzter TraumaHelfer-Kurstag und Fahrt nach Hyderabad

Liebe Blog-Besucher!
Mit einiger Verzögerung gibt es nun Informationen über unsere letzten Tage in Indien. Das Internet war im gesamten Stadtteil von Hyderabad, in dem wir wohnten komplett zusammen gebrochen, so dass wir online keine Kommunikationsmöglichkeiten mehr hatten.
Auch hatten wir phasenweise kein Wasser (das Duschen musste mal ausfallen und Klo ohne Spülung weckte alte Plumpsklo-Erinnerungen…) und Strom war mal mehr mal weniger da. Wir waren inzwischen geübt, ohne Beamer zu arbeiten, so dass es bezüglich des Kurses keine Probleme gab.
Unser insgesamt letzter der acht TraumaHelfer-Schulungstage ging sehr gut zu Ende. Wir konnten noch einmal weitere 50 Lehrer, College-Studenten und Psychologen in Lifeline-Arbeit unterweisen und unsere zur Neurophysiologie und Stressregulationstechniken erfundenen Songtexte vorstellen. Inder lernen am liebsten mittels kreativer Medien wie Tanz; Theater und Gesang, so dass wir uns ordentlich was haben einfallen lassen müssen ;-)
Die Ergebnisse präsentieren wir demnächst filmreif auf youtube!
Über die zum Schluss überreichten Zertifikate freuten sich unsere Teilnehmer sehr, denn die für Indien sehr hoch gewertete Schulung erhält für den Einzelnen im beruflichen Lebenslauf durch die deutsche Zertifizierung erheblichen zusätzlichen Mehrwert.
Am Abend fuhren wir dann gespannt ins Zentrum von Hyderabad, denn ab jetzt sollten mit großem Festakt die Tausenden Ganeshas im See der Stadt versenkt werden. Die Inder fuhren ihre Gips-Ganeshas auf LKW´s, im Auto oder auf Rollern zum See, zierten noch einmal die Gottheit mit Blumen, “fütterten” sie mit Leckereien, aßen selbst im großen Kreis der Familien und Freunde am Straßenrand bzw. Seeufer, trommelten und tanzten und warfen dann - wenn es kleinere Figuren waren - den Elefantenkopf über den Metallzaun ins Wasser oder ließen riesige 2-3m große Ganeshas mit dem Kran ins Wasser befördern. Am ganzen Ufer standen ein Kran nach dem anderen, denn es mussten viele Ganeshas untergetaucht werden. Dieses Ritual dauert mehrere Tage, denn jede Familie, jeder Straßenzug, jedes Stadtviertel bringt seine eigene Statue. Wenn alle Ganeshas versenkt sind, kommt ein Reinigungstrupp - so sagte man uns -, um den gröbsten Müll wieder aus dem See zu fischen, jedoch ist der See durch die ständige Verunreinigung - Ganesha ist nicht das einzige Festival - so stark verschmutzt, dass sich kaum ein Lebewesen darin aufhält und niemand das Wasser berühren möchte.
Indien ist in vielen Bereichen ein Land voller Gegensätze und man muss sich manchmal innerlich davon abspalten und lieber die Flughunde und den Mond am Himmel bestaunen, als sich den Gedanken über die gerade statt findende üble Umweltverschmutzung hinzugeben… 

lecture Vortrag
EMDR
Sandplay - a car accident Sandspiel - ein Autounfall
Sandplay- Rail accident ... Sandspiel - Ein Bahnunglück…


Teaching with all media means ... ;-) Mit allen medialen Mitteln Lehre vermitteln…;-)
Sandplay - A TukTuk accident ... Sandplay-Ein TukTuk-Unfall…


 

 

31.08.2017 Weitere 53 Kinder und Jugendliche wurden gescreent

Heute hatten wir einen anstrengenden Tag, denn es wurden weitere 53 Kinder und Jugendliche gescreent. Zum Teil kamen die von uns übersetzten Fragebögen nun aus Guntur, unseres zweiten Aufenthaltsortes in Indien- zurück, und sie mussten korrigiert, nochmals überarbeitet und am Ende ausgewertet werden. Aufgrund der schlechten Infrastruktur (Versenden per Handy-Hotspot, Auslesen auf dem Handy etc.) dauerte dies den ganzen Tag. Lakshmi, unsere Köchin, versorgte uns mit Chai und -speziell für den Professor- mit “Herbal-Tea”. Die Inder schüttelten angesichts unseres Arbeitseifers in einigermaßen erträglichen Abständen mit dem Kopf und unser konsequentes Korrigieren und Einfordern vollständiger Unterlagen wurde nicht immer verstanden. Angesichts eines umfassenden Internet-Ausfalles macht man doch erst mal Pause, bis das Internet wieder funktioniert, oder?!?!?
Wir waren nicht müde, die Notwendigkeit unseres Tuns zu erklären und unermüdlich zu motivieren und schmunzelten unsererseits über das Vorhaben unserer indischen Kolleginnen, nach unserem Aufenthalt erst einmal Urlaub zu machen;-)
Uns wurde sehr klar, dass die Uhren hier anders ticken und auch uns tat zwischendurch das indische “Take your own time” sehr gut und entschleunigte unseren Rhythmus angenehm. Allerdings eben dann, wenn es möglich war und beim Einholen der Screenings waren wir eher erbarmungslose Antreiber;-)
Am Abend - die Läden haben hier bis mindestens 22:00 Uhr offen, fuhren wir nochmal in die Stadt, um eine zweite Sandspiel-Ausstattung zu kaufen, denn es sollen direkt im Anschluss an unseren Besuch zwei Sandspiel-Gruppen (eine in Guntur, eine in Hyderabad) starten. Wir haben im Flugzeug nur eine Ausstattung transportieren können und es erscheint uns nicht realistisch umsetzbar, dass die Sandspiel-Ausrüstung wöchentlich eine Tagesreise von Hyderabad nach Guntur und zurück macht. Die erste Ausrüstung wurde vom Verein “Partnerschaft Eine Welt”, Mosbach, die zweite Ausrüstung über unseren Verein Gewiss e.V. finanziert.
 

Screening outdoor Screening draußen
Radio station of Child Guidance Center Radiosender des Child Guidance Centre
On the road to Hyderabad Auf dem Weg nach Hyderabad


Life interview about our impression of India and our work as TraumaHelper on the ground Life-Interview über unseren Eindruck von Indien und unsere TraumaHelfer-Arbeit vor Ort
Mixer Mischpult
Purchase of toys and plastic boxes for the Sandplay Therapy Einkauf von Spielzeug und Plastikkisten für die Sandplay-Therapy



 



                                      2017-09-01

Beginn der ersten Sandplay-Therapy und Lifeline-Therapy

Abschied

An unserem letzten Tag haben wir noch mal alle Schulklassen des Child Guidance Centre, in dem wir während unseres Aufenthaltes in Hyderabad gewohnt haben, besucht. Alle „special children“ zeigten uns mit ihren Lehrern stolz ihre Unterrichtsmaterialien und winkten uns nach vielem Händeschütteln „Good by“. Wir verteilten Süßigkeiten und lobten ausgiebig die gezeigten Werke.

Am Nachmittag kamen die Happy Home-Kinder nach Hause und bereiteten uns ein kleines Abschiedsfest. Sie sangen ihre Lieder und aßen mit uns gefüllte Teigteilchen. Der Prof nahm zum Schluss die Gitarre in die Hand und wir sangen mehrmals gemeinsam „We are the World“ von Michael Jackson. Rajani musste den Text auf telugu übersetzen, so dass die Kinder verstanden, was sie mit uns sangen. Es hat ihnen gut gefallen und uns sehr berührt, denn diese Kinder sind die Zukunft ihres Landes („We are India – We are the future. We are the instruments of social change“) mit besseren Chancen und Möglichkeiten als die vorherige Generation – und es gibt viel zu tun in diesem Land voller Gegensätze.

Danach luden wir die Koffer in den Schulbus und in Begleitung von Rajani (die nach unserem Besuch urlaubsreif ist ;-)) und Lusi, einem Happy Home-Jungen zum Flughafen. Am Aufzug winkten wir ein letztes Mal, bevor wir in den dritten Stock zur Abflughalle befördert und vom umfangreichen Procedere des Check-In abgelenkt wurden.

Wir alle lassen Indien mit gemischten Gefühlen hinter uns:





Tobias:

 Er verlässt wehmütig seine Heimat Indien, kommt aber im November bereits wieder!


Ulrike: 

Sie kommt voraussichtlich erst in 1 ½ Jahre wieder in ihre zweite Heimat Indien, kehrt aber gerne auch wieder nach Deutschland zurück.


Elias: 

Er verlässt Indien nach einem kulturell sehr intensiven Erlebnis gerne und freut sich auf das erste europäische Essen, Schokolade, eine warme Dusche und seinen Hund. Er hat in Indien Freunde gewonnen, die er wieder sehen möchte und auch wenn das sich stark wiederholende indische Essen jetzt Pause haben soll, hat es ihm sehr gut geschmeckt und er hat eine Ladung an Gewürzen, eine Dosa-Pfanne und Kochideen im Koffer. Die Abenteuerlust ist ungebremst!


Thomas: 

Er fliegt sehr zufrieden nach Hause, ist beeindruckt von der Freundlichkeit und dem Engagement der Menschen, der Lebensenergie der Kinder und dankbar für die Erfahrungen, die er in allen Bereichen machen durfte.


Beate: 

Sie fliegt mit vielen Gedanken und inneren Bildern über die Schicksale der indischen Menschen und insbesondere der kennen gelernten Kinder nach Hause, ist überwältigt von den Gegensätzen dieses Landes, der enormen Armut und dem gleichzeitigen Reichtum, der Gewalt und dem Wunsch und Streben nach Frieden, der Trostlosigkeit und dem bunten Leben, dem Hunger und der Fülle an Nahrung, dem Lärm und der Stille, dem unüberschaubaren Gewimmel und der Leere…und voller Dankbarkeit für die Erfahrungen, Begegnungen und das entgegengebrachte Vertrauen!


Indien, wir denken, wir kommen wieder!

Nun fliegen wir erst mal nach China, um auf dem Weltkongress für Psychosomatik unsere Projekte vorzustellen und werden den Einladungen aus weiteren Ländern, unsere TraumaHelfer-Kurse auch dort anzubieten, so weit möglich folgen.

Bleibt dran, wir werden euch auf dem Laufenden halten und vielen herzlichen Dank für euer Interesse an unserem Projekt! 




 AKTUELLE BEITRÄGE:

Gaza: Hilfe kommt aus Regensburg

http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/gaza-hilfe-kommt-aus-regensburg-21179-art1600024.html


Artikel TraumaHelfer in Indien
Aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 23.08.2017
Statt Urlaub_ Hilfe für Traumatisierte - Regensburg - Mittelbayerische.pdf (229.28KB)
Artikel TraumaHelfer in Indien
Aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 23.08.2017
Statt Urlaub_ Hilfe für Traumatisierte - Regensburg - Mittelbayerische.pdf (229.28KB)


Vortrag in Mosbach
Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung
2017-06-14 - Kriegsschauplatz Gehirn.pdf (167.38KB)
Vortrag in Mosbach
Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung
2017-06-14 - Kriegsschauplatz Gehirn.pdf (167.38KB)


Bundespsychotherapeutenkammer "Round Table"
Was benötigen psychisch kranke Flüchtlinge? vom 1. März 2017
BPTK.pdf (2.17MB)
Bundespsychotherapeutenkammer "Round Table"
Was benötigen psychisch kranke Flüchtlinge? vom 1. März 2017
BPTK.pdf (2.17MB)


Bayerischer Rundfunk am 19.7.2016
in der Abendschau Der Süden

und in der Rundschau


Traumahelfer - Ausbildung - Trailer


Traumahelfer - Ausbildung - Konzept


Auch ein Weg, Infos über Trauma und Selbststabilisierung in die Welt zu bringen


ARCHIV:

Bayerischer Rundfunk am 16.4.2016

Abendschau - Bericht aus dem laufenden Projekt

Beitrag am 22.Oktober 2015 im Mittagsmagazin der ARD und im Bayerischen Rundfunk in der Rundschau